Bayerns Antisemitismusbeauftragter Spaenle warnt vor unbegründetem Boykott israelischer Wissenschaftseinrichtungen
MÜNCHEN. „Der jüngst veröffentlichte offene Brief von rund 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, in dem zu einem Boykott israelischer Wissenschaftseinrichtungen aufgerufen wird, ist ideologisch motiviert und ergibt sich nicht aus wissenschaftlichen Erkenntnissen“, so der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle. Der Beauftragte kritisiert, dass die Unterzeichner des Schreibens einseitig dem israelischen Staat im Gazastreifen enorme Verstöße gegen das Völkerrecht vorwerfen, an denen auch wissenschaftliche Einrichtungen beteiligt seien, aber den Terroranschlag der Hamas auf Israeli am 7. Oktober 2023 nicht einmal erwähnen. „Wir sind als Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gefragt, den einseitigen Aussagen des offenen Briefs zu widersprechen und die Fakten ganzheitlich darzulegen.“
„Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass in den offenen Schreiben allein Israel als Kriegspartei diffamiert wird, das Völkermord begehe.“ Die Faktenlage mache aber klar, von wem die Aggression ausgegangen ist. Die Hamas habe nach knapp zwei Jahren immer noch israelische Zivilisten als Geiseln in ihrer Gewalt.
Für Dr. Spaenle stimmen die Positionen in dem offenen Schreiben mit der Programmatik der Bewegung Boycott, Divestment, Sanctions (BDS) überein, die Israel als jüdischem Staat das Existenzrecht abspreche.
„Die 300 Unterzeichner sind in der großen Mehrzahl keine Experten für Nahostpolitik, nutzten aber mit ihrem Habitus ihre Autorität als Vertretung der Wissenschaft aus, um ihren wissenschaftlich nicht zu begründenden Standpunkt und die daraus abgeleitete Konsequenz den Anschein von Wahrheit zu verleihen“, betont Dr. Spaenle.
Für den Regierungsbeauftragten ist es bei aller Kritik an dem „offenen Schreiben“ der im Wissenschaftsbetrieben Tätigen und dessen einseitigen Inhalten aber selbstverständlich, dass man auch die Politik der israelischen Regierung durchaus hinterfragen darf und muss. „Eine rationale kritische Auseinandersetzung mit der Politik und Kriegsführung Israels ist allerdings durch den einseitigen offenen Brief gerade nicht möglich. Die Autoren des Schreibens erweisen ihrer vermeintlichen Zielsetzung geradezu einen Bärendienst.“