„Mit Kultur gegen die nationalsozialistische Unkultur angehen“
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Dr. Spaenle begrüßt Diskussion über eine kulturelle Nutzung der Kongresshalle in Nürnberg
MÜNCHEN. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle, begrüßt die Überlegungen der Stadt Nürnberg zu einer kulturellen Nutzung der Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände. Dort soll nach den Überlegungen der Stadt Nürnberg ab 2025 die Staatsoper temporär untergebracht werden. „Bauwerke mit nationalsozialistischer Geschichte einer neuen Verwendung zuzuführen, hat sich an vielen Orten als gute Möglichkeit erwiesen, gegen den Ungeist der monumentalen Architektur anzukämpfen.“ Als Beispiele nannte er das Münchner Haus der Kunst sowie das Zentralinstitut für Kunstgeschichte und die Hochschule für Musik und Theater, ebenfalls in München, die als Teil des ehemaligen „Parteiviertels“ um den Königsplatz konzipiert wurden. Aber auch mit Neubauten sei eine symbolträchtige Aussage möglich – so sei nicht nur das NS-Dokumentationszentrum München, sondern auch das Generalkonsulat des Staates Israel bewusst in das ehemalige „Parteiviertel“ hineingebaut worden.
Für die monumentale Kongresshalle auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände sei eine kulturelle Nutzung ebenfalls eine gute Möglichkeit, sich bewusst mit der Historie des Ortes auf künstlerisch-emotionale Weise auseinanderzusetzen. „Dies muss selbstverständlich in Ergänzung zur wissenschaftlichen Befassung und Vermittlung geschehen, wie sie das international anerkannte NS-Dokuzentrum seit vielen Jahren – und ab dem kommenden Jahr mit einer neuen Dauerausstellung – leistet,“ so Dr. Spaenle. Deshalb sei es besonders wichtig, alle Beteiligten in den Diskussionsprozess einzubeziehen – gerade auch das NS-Dokuzentrum und seine Gremien. Ebenso seien die denkmalpflegerischen und bauhistorischen Belange zu berücksichtigen, gerade bei der Planung neuer Gebäudeelemente.
Der Nürnberger Stadtrat entscheidet morgen über das Vorhaben, die ab 2025 geschlossene Staatsoper samt Infrastruktur übergangsweise in der Kongresshalle anzusiedeln.
Ulrich FRITZ; Leiter der Geschäftsstelle des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe Jungfernturmstraße 1
80333 München; Tel.: 089 2186 – 2794; Mobil: 0162 / 2640 557
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