Antisemitismusbeauftragter Spaenle äußert sich kritisch zu einer Veranstaltung der Münchner Kammerspiele zu Vorgängen im Gazastreifen – Neuausrichtung eröffnet aber Chance einer ausgewogeneren Diskussion
MÜNCHEN. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle, äußert sich kritisch zu einer Veranstaltung der Münchner Kammerspiele „A Fellow Soldier’s Testimony“ am morgigen Freitag, 16. Januar. Er sieht aber auch eine deutliche Neuakzentuierung der Veranstaltung durch die Leitung der Kammerspiele gegenüber der zunächst für Dezember geplanten Veranstaltung am gleichen Ort und erkennt darin Chancen für eine ausgewogenere Diskussion über Vorgänge im Gaza-Streifen. Dies ist einem Schreiben des Beauftragten an die Intendantin der Kammerspiele Barbara Mundel zu entnehmen. Bei der Veranstaltung stehen Vorwürfe gegen einen jungen Soldaten der israelischen Armee aus München im Mittelpunkt, der nach Medienbeiträgen im Gazakrieg Zivilisten getötet haben soll. Nach Einschätzung des Antisemitismusbeauftragten des Freistaats hat die Berichterstattung zu einer „Hetzjagd ohnegleichen gegenüber der Familie des Soldaten in München geführt“. Dr. Spaenle macht aber auch deutlich, dass Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen berechtigt ist.
Dr. Spaenle erkennt, dass die Kammerspiele der Veranstaltung sowohl ein modifiziertes Format gegeben haben wie auch bei der Diskussion Experten mit hoher fachlicher Kompetenz nun einzubeziehen planen, die aufgrund ihres Renommees für eine faktenfundierte Darstellung stehen. Ich erkenne in dem neuen Form die „Chance, eine kritische, aber nicht einseitige Diskussion zu führen“. Spaenles Fazit: Die nunmehr vorgenommenen Änderungen berechtigen zu der Hoffnung, dass „A Fellow Soldier’s Testimony“ nicht zu einem Tribunal auf Kosten einer Münchner Familie oder zu einer grob einseitigen Propagandaveranstaltung wird.
Ursache des Gazakriegs war der terroristische Überfall der Hamas auf Israelis im Oktober 2023, bei dem über 1.200 Menschen getötet und über 200 Geiseln genommen worden sind.