Antisemitismusbeauftragter Dr. Spaenle und Landesverein für Heimatpflege beim Landestreffen für jüdisches Leben in Nürnberg – Förderung jüdischen Lebens als Staatsziel zu verankern
„Einrichtungen der Justiz und der Kultur miteinander vernetzen – Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Bayern sehr angespannt“
NÜRNBERG. „Wir wollen die Einrichtungen der Justiz und der Kultur miteinander stärker vernetzen, gleichsam ein Netzwerk weben, um das jüdische Leben zu fördern und den Antisemitismus zu bekämpfen“, so Bayerns Antisemitismusbeauftragter Dr. Ludwig Spaenle beim 5. Landestreffen „Jüdisches Leben in Bayern“ heute in Nürnberg.
„Die Sicherheitslage für Menschen jüdischen Glaubens ist in Deutschland und in Bayern seit dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 ausgesprochen angespannt. Sie werden mit verantwortlich gemacht für Entscheidungen der israelischen Regierung zur Verteidigung ihres eigenen Landes und seiner Bevölkerung“, darin sind sich Dr. Spaenle und der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege Dr. Rudolf Neumaier einig.
In vielen Aktionen propalästinensischer Gruppen und linksgerichteter Sympathisanten wird das Existenzrecht Israels negiert. Die Zahl der antisemitischen Straftaten lag in Bayern im Jahr 2024 bei 579 und allein in im vergangenen Jahr wurden knapp 1.000 neue Ermittlungsverfahren wegen antisemitischer Straftaten eingeleitet. „Die Rückwirkung auf die Menschen jüdischen Glaubens sind fatal, sie fühlen sich im Lebensalltag eingeschränkt und empfinden Angst“, berichtet Dr. Spaenle von Gesprächen mit Jüdinnen und Juden. „Da dürfen wir nicht zuschauen.“
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Dr. Spaenle und der Landesverein für Heimatpflege, die das Landestreffen gemeinsam ausrichten, fordern auch die Verankerung des Schutzes jüdischen Lebens als Staatsziel im Grundgesetz und der Bayerischen Verfassung. „Wenn die Förderung jüdischen Lebens und der Kampf gegen Antisemitismus als Verfassungsauftrag verankert sind, wird das auch unmittelbar Auswirkungen auf das Handeln der öffentlichen Hand haben“, ist sich Dr. Spaenle sicher.
„Bayern nimmt bereits heute“, ergänzt der Regierungsbeauftragte, „eine Vorreiterrolle bei Förderung und Schutz jüdischen Lebens ein. Die Bayerische Staatsregierung hat ein Gesamtkonzept zur Förderung jüdischen Lebens angenommen und zwischen dem Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz und dem Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus, besteht eine enge Zusammenarbeit, um judenfeindliche Straftaten zu verfolgen.“
„Unser Netzwerk jüdisches Leben ist in den vergangenen zwölf Monaten nennenswert gewachsen. Das ist höchst erfreulich. Umso wichtiger ist nun, dass wir uns mit diesem Netzwerk im Rücken gegen den zunehmenden Antisemitismus einsetzen und uns gegen alle wenden, die mehr oder weniger offen Judenhass verbreiten. Denn Heimat und Hass – diese beiden Begriffe gehen nicht zusammen. Heimat ist Miteinander in Vielfalt“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege und richtet sich damit auch gegen extrem rechte Gruppierungen.
Für Dr. Spaenle bietet das Landestreffen „Jüdisches Leben in Bayern“ die besondere Chance, dass sich die Verantwortlichen für die Sicherheit sowie die Verantwortlichen für Kultur und gesellschaftliches Leben intensiv miteinander vernetzen. Über 100 Vertreterinnen und Vertreter von jüdischen Gemeinden, Kultureinrichtungen, Kommunen sowie Vereinen diskutieren dort mit Vertretern von Justiz und Strafverfolgung in Nürnberg auch die aktuelle Situation. Sie besprechen Möglichkeiten, das jüdische Leben weiter zu fördern. Kulturpolitisch geht es in Nürnberg auch um die Fortschritte bei der Digitalisierung der Archive der ehemaligen bayerischen jüdischen Gemeinden. Viele Materialien, die bisher in Jerusalem lagern, werden in einem Projekt der Generaldirektion der Staatlichen Archiv in Bayern unabhängig von Zeit und Ort für Forscherinnen und Forscher zugänglich sein.
Ein weiteres Thema ist der Kontakt mit Nachfahren jüdischer Familien – hier haben viele Ehren- und Hauptamtliche beste Erfahrungen mit dem großen Interesse von Familienangehörigen aus aller Welt gemacht.
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