Treffen des jüdischen Netzwerks in Nürnberg: Mit Kulturarbeit gegen Antisemitismus
Die oft belastende Situation für Jüdinnen und Juden durch den wachsenden Antisemitismus, aber auch die Chancen der kulturellen Arbeit für die Förderung jüdischen Lebens standen im Mittelpunkt des 6. Landestreffens „Jüdisches Leben in Bayern“ in Nürnberg.
Antisemitismusbeauftragter Dr. Ludwig Spaenle: „Das kulturelle Leben spielt beim Kampf gegen Judenhass und Antisemitismus eine zentrale Rolle.“ Die Situation von Jüdinnen und Juden in Deutschland nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israelis im Oktober 2023 beschrieb Spaenle als dramatisch: „543 antisemitische Straftaten haben Sicherheitskräfte in Bayern im vergangenen Jahr registriert. Es sei wichtig, dass in Bayern Antisemitismus und Judenhass mit allem Nachdruck verfolgt und auf der Grundlage des Strafrechts zur Anklage gebracht und entsprechend entschieden werden. „Neben der Repression eröffnen auch die Förderung und Sichtbarmachung jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart besondere Chancen für ein gelingendes Miteinander, Informationen und Wissen sind Grundlage für Öffnung und Akzeptanz.“ Für Ludwig Spaenle bedrohen Judenhass und Antisemitismus die gesamte demokratische Gesellschaft.
„Die zahlreichen Projekte zur Erforschung, Bewahrung und Vermittlung jüdischen Erbes in Bayern leben vom großen Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort. In vielen Gemeinden setzen sich Menschen mit beeindruckender Beharrlichkeit dafür ein, die Geschichte ihrer ehemaligen jüdischen Nachbarn sichtbar zu machen, Friedhöfe zu pflegen, Archive zu erschließen oder Begegnungen zu ermöglichen. Sie machen deutlich, dass jüdische Geschichte ein integraler Bestandteil unserer gemeinsamen Heimatgeschichte ist. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement schafft Wissen, Verständnis und Verbundenheit, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und setzt ein wichtiges Zeichen gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Judenhass“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege.
Bei dem Landestreffen wurden Leitprojekte der Kulturarbeit vorgestellt, die seit 2021 deutlich vorangekommen sind:
- Im Rahmen des Genisaprojekts wurden rund 40 Bestände von Überresten geistlicher und weltlicher Schriften aus ehemaligen Synagogen des fränkischen und schwäbischen Landjudentums im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim archiviert.
- Mittlerweile wurden die Archivbestände von über 30 der rund 200 ehemaligen jüdischen Gemeinden in Bayern durch die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns in Kooperation mit den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem digitalisiert.
- Die Dokumentation von jüdischen Friedhöfen mit ihren Grabsteinen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege kommt gut voran. Mittlerweile sind 25 Friedhöfe vollständig erfasst und digital zugänglich – mit insgesamt 14.400 Grabsteinen.
- Das Informations- und Rechercheangebot auf dem Online‑Portal „Jüdisches Leben in Bayern“ des Hauses der Bayerischen Geschichte wird ständig ausgeweitet.
- Bei der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen wurde eine unbefristete Stelle zur Beratung von Museen mit jüdischen Sammlungsbeständen geschaffen
Spaenle und Neumaier sind sich einig: „Mit Hilfe der kulturellen Leitprojekte wird jüdisches Erbe anschaulich als integrativer Teil der Landes-, Regional- und Heimatgeschichte und so als Teil der bayerischen Identität sichtbar.“
Zusätzlich hat die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen eine Initiative zur weiteren Vernetzung von Orten und Museen mit jüdischem Erbe mit dem Ziel der Zusammenarbeit bei der touristischen Erschließung 2026 ins Leben gerufen.
In einer Gesprächsrunde stellten Rabbiner Elias Dray und Imam Maher Khedr ihren Workshop „Jüdisch-islamischer Dialog“ und Ariella Chmiel und Daniel Gitbud ihr Projekt „Coffee with a jew“ vor. Beide Projekte ermöglichen es durch Begegnungen, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
An dem 6. Landestreffen „Jüdisches Leben in Bayern“ im Finanz- und Heimatministerium in Nürnberg haben über 100 Vertreterinnen und Vertreter israelitischer Kultusgemeinden und jüdischer Einrichtungen sowie aus Kultur und Gesellschaft teilgenommen.
Einen Mitschnitt des Landestreffens finden Sie auf YouTube und in unserem Videoarchiv.
Den Wortlaut der Pressemitteilung finden Sie hier.
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