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Die Sulzbacher Thorarolle von 1793

Für das Foto und die Erläuterungen dazu danken wir der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg

Ein historisches Datum – Jubiläum und Festjahr Im Jahre 321 n.Chr. erließ Konstantin der Große, Kaiser des Römischen Reiches, auf die Anfrage des Rates der Stadt Köln ein Edikt, in dem er bestimmte, dass auch jüdische Bürger in den Rat aufgenommen werden könnten. Dieses Edikt ist die älteste schriftliche Quelle, die belegt, dass es seit mindestens 1700 Jahren jüdisches Leben im Gebiet des heutigen Deutschland gibt. Das kommende Jahr 2021 wird deshalb ein Veranstaltungsjahr werden, in dem auf sehr vielfältige Art und Weise daran erinnert werden wird, dass Juden und Jüdinnen die Gesellschaft und Geschichte Deutschlands in Kultur, Technik, Wissenschaft, Sport und vielen anderen Bereichen wesentlich beeinflussten und prägten. Ausstellungen, Konzerte, Wettbewerbe, Vorträge und zahlreiche andere Projekte werden diese jüdische Geschichte sichtbar und erfahrbar machen, in ganz Deutschland und in großer Vielfalt auch in Bayern. Jüdisches Leben in Bayern In Bayern dürften Juden seit der Spätantike gelebt haben. Ein erster urkundlicher Nachweis findet sich für Regensburg im Jahr 981, für München mit Abraham dem Municher im Jahr 1229. Aufgrund historischer Gegebenheiten war jüdisches Leben in Bayern unterschiedlich präsent: Vor allem in Franken und Schwaben, in geringerem Maße auch in der Oberpfalz spielte das Landjudentum über Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Erst 1861 wurde das Matrikeledikt abgeschafft, das für jeden Ort eine Höchstzahl jüdischer Familien festlegte. Mit der Freizügigkeit zogen viele Jüdinnen und Juden in die Städte, wo sie sich bessere Berufs- und Lebensperspektiven erhofften. Mit dem nationalsozialistischen Völkermord an der jüdischen Bevölkerung Europas endete zunächst jüdisches Leben in Bayern und Deutschland. Jüdisches Leben in Bayern heute Nach dem Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und der Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager sammelten sich die Jüdinnen und Juden, die den Völkermord überlebt hatten, in Lagern für Displaced People. Viele dieser DP-Lager befanden sich in der amerikanischen Besatzungszone, in Bayern. Dass es heute in Bayern wieder in 13 Israelitischen Kultusgemeinden und in zwei liberalen Gemeinden jüdisches Leben gibt, war nicht zu erwarten – es ist ein Geschenk, das Bayern bereichert. Sichtbare Spuren Die Spuren einstigen jüdischen Lebens in Bayern sind unterschiedlich dicht. Während sich in Franken, Schwaben und der Oberpfalz an vielen Orten ehemalige Synagogen, Friedhöfe und andere bauliche Relikte finden, sind diese in Ober- und Niederbayern auf wenige Städte beschränkt. Die historische Struktur der jüdischen Gemeinschaft in Bayern, insbesondere die große Zahl relativ kleiner Gemeinden in ländlichen Regionen, spiegelt sich auch im heutigen Umgang mit den Spuren und Relikten. An vielen Orten kümmern sich – teilweise schon seit Jahrzehnten – Vereine, Initiativen und Privatpersonen um die Überreste jüdischen Lebens. Eine koordinierende Funktion haben hierbei die Bezirksheimatpfleger, die Jüdischen Museen in München, Augsburg, Fürth, Würzburg und Veitshöchheim sowie einige Universitätsinstitute übernommen: So haben sich im 2004 gegründeten „Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben“ 18 Kommunen, Initiativen und Vereine zusammengeschlossen. Ähnliche Strukturen gibt es in Franken („Netzwerk Jüdisches Franken“) und neuerdings in der Oberpfalz. Insbesondere die größeren israelitischen Kultusgemeinden haben auch eigene Kulturprogramme, die jüdisches Leben in allen Facetten zum Thema machen. Jubiläumsjahr 2021 – Agenda für Bayern In Bayern wird Ministerpräsident Dr. Markus Söder die Schirmherrschaft für das Jubiläumsjahr 2021 übernehmen. Drei zentrale, vom Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus initiierte und nachdrücklich vertretene Leuchtturm-Projekte sind dabei – die Digitalisierung von Archivalien jüdischer Gemeinden – die Inventarisierung und Instandsetzung von jüdischen Friedhöfen – die digitale Vermittlung des jüdischen Lebens in Bayern. Über die große Zahl und die Vielfalt von Veranstaltungen können Sie sich im Veranstaltungskalender auf dieser Webseite informieren: Anstehende Veranstaltungen – Antisemitismus Beauftragter Bayern Mit Fragen und Anregungen können Sie sich an die Projektstelle beim Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus wenden: 1700JahreJuedischesLeben@stmuk.bayern.de Der Bayerische Rundfunk begleitet das Jubiläumsjahr 2021 in Hörfunk, Fernsehen und online unter dem Themenschwerpunkt „Schalom – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Weiterführende Informationen unter: www.br.de/juedisches-leben

Teilnehmen und Mitmachen Institutionen, Verbände, Vereine, Parteien, Kirchengemeinden, Unternehmen u.a. sind herzlich eingeladen, das Jubiläumsjahr mit Projekten und Veranstaltungen zu unterstützen und mitzugestalten. Der in Köln gegründete Verein „321 – 1.700 jüdisches Leben in Deutschland“  fördert bundesweit Projekte (https://www.1700jahre.de/).

Erlaeuterung Sulzbacher Thorarolle