BR/BLM Jüdisches Leben in Bayern – Staatsregierung zeichnet Beiträge von Volontärinnen und Volontären aus

Seit 1700 Jahren leben Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland und in Bayern. BR und BLM haben das Jubiläum zum Anlass für einen gemeinsamen Themen-Workshop für den journalistischen Nachwuchs genommen: Volontärinnen und Volontäre der privaten Lokalradio- und TV-Stationen und des Bayerischen Rundfunks setzten sich über mehrere Monate mit dem Thema „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – und Bayern“ auseinander – erstmals gemeinsam. Entstanden sind mehrere journalistische Beiträge. Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, hat drei ausgezeichnet.

Stand: 30.03.2022 |Bildnachweis

Das jüdische Leben in Bayern in seiner Historie, aber auch in seiner heutigen Vielfalt, war Thema des Workshops der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und des Bayerischen Rundfunks (BR). Hier lernten die jungen Journalistinnen und Journalisten, wie sich mit Worten, Bildern und Tönen diskriminierungsfrei und verantwortungsvoll Geschichten über jüdisches Leben erzählen lassen – ohne Klischees und Vorurteile. Aus der gemeinsamen Arbeit entstanden ganz konkret Ideen für Beiträge oder Sendungen, die die Volontärinnen und Volontäre dann für die Ausspielwege ihrer eigenen Medienunternehmen umgesetzt haben. Die Bandbreite reichte von klassischen Hörfunk- oder TV-Beiträgen bis zu Veröffentlichungen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram.

Die Preisverleihung fand in den Räumen der BLM statt. Die drei Beiträge wurden gleichrangig und mit einem Preisgeld von jeweils 1000 Euro ausgezeichnet.

„Ich bin beeindruckt von der hohen Qualität der Produkte der jungen Journalistinnen und Journalisten. Sie haben das Thema ‚Jüdisches Leben in Deutschland und Bayern‘ nicht nur inhaltlich durchdrungen. Sie haben für das Thema kreative Formen gefunden, mit denen Sie die Zuschauerinnen und Zuschauern unterschiedlichen Alters erreichen. Mit den Beiträgen vermitteln sie Wissen über jüdisches Leben. Juden haben seit 1700 Jahren Gesellschaft und Kultur in Deutschland aktiv mitgestaltet – durchbrochen nur durch die menschenverachtende Diktatur der NSDAP.“

Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftrager der Staatsregierung

„Ich freue mich außerordentlich, dass die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien und der BR diese Initiative gestartet haben, um Journalistinnen und Journalisten zu fördern, die sich mit Themen des jüdischen Lebens beschäftigen. Noch rasanter als das Wissen um jüdische Themen ist in den vergangenen Jahren nur das Interesse an ihnen angewachsen: Das ist Verdienst und Auftrag gleichermaßen, ganz besonders für die kommende Generation von Medienschaffenden. Die Beiträge der heute Geehrten zeigen, dass sie diesen Auftrag annehmen – und dass sie den Anforderungen der Thematik in Form und Inhalt mehr als gerecht werden.“

Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern

„Es beeindruckt mich, mit welcher journalistischen Professionalität und zugleich auch Leichtigkeit die acht Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten an das Thema ‚jüdisches Leben‘ herangegangen sind. Die prämierten Beiträge zeigen, wieviel Großartiges entstehen kann, wenn Qualitätsmedien sich zusammentun. Denn das freut mich besonders, dass diese Beiträge aus einem gemeinsamen Workshop von privaten Medien und öffentlich-rechtlichem Rundfunk entstanden sind. Einen herzlichen Glückwunsch an die Preisträgerinnen und Preisträger!“

Dr. Katja Wildermuth, Intendantin des Bayerischen Rundfunks

„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – und Bayern: dieses Jubiläum war und ist der Landeszentrale ein großes Anliegen. Die erste gemeinsame Kooperation mit dem BR im Bereich Aus- und Fortbildung hat es jungen Menschen ermöglicht, sich mit diesem wichtigen Thema intensiv auseinanderzusetzen. Im Ergebnis sind wirklich beeindruckende und vielfältige Projekte entstanden. Sie werfen einen frischen, unverkrampften und positiv gestimmten Blick auf jüdisches Leben und jüdische Kultur. Das freut mich besonders und dazu gratuliere ich sehr herzlich!“

Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

Die prämierten Beiträge im Einzelnen:

Preisträger Pilotfilm auf YouTube zur Streetfood-Kochshow „Yami“
Lilian Landesvatter, Philipp Potthast, Hanna Resch, Sina-Felicitas Wende (BR)

Jüdische Streetfood-Kochshow für YouTube. Idee: Jede Woche wird ein Video mit einem neuen Gericht aus der jüdischen Küche veröffentlicht, dazu werden Hintergründe zu jüdischen Traditionen wie z. B. dem Lichterfest Chanukka erklärt. Immer mit dabei: ein jüdischer Gast, der oder die Erfahrungen rund um das Gericht teilt. Wann wird es gekocht? Was für eine Tradition steckt dahinter? Wie schmeckt’s am besten? Was ist das Familien-Geheimrezept? Ziel ist es, Foodie-begeisterte Menschen auf YouTube abzuholen und ganz locker und nebenher Wissen über jüdisches Leben in Deutschland einzustreuen. Produziert wurde eine Pilotfolge.

Preisträger zum Dokumentarfilm zu jüdischem Leben in der Oberpfalz: Marktgemeinde Floß
Tim Wehinger (Oberpfalz TV)

Ausgehend von einer jüdischen Synagoge in der Gemeinde Floß, die heute als Museum genutzt wird, wird in dem TV-Beitrag über die Geschichte der (heute nicht mehr existierenden) jüdischen Gemeinde in Floß berichtet. Zu Wort kommen u. a. eine Musikerin, die öfter einmal in der Synagoge probt/auftritt, der Altbürgermeister von Floß als Zeitzeuge, ein Mitglied aus der jüdischen Nachbargemeinde Weiden und eine Historikerin. Der Autor möchte mit seinem Film die Geschichte lebendig machen und Bewusstsein für das Erbe schaffen, indem er zeigt, welche Schicksale auch in einer kleinen Marktgemeinde stecken und welche Bedeutung diese für das ländliche jüdische Leben in der Region hatten. Der Beitrag wird am 4. Mai 2022 um 19.30 Uhr bei Oberpfalz TV im Rahmen einer Themenwoche ausgestrahlt.

Preisträger zur 7-teiligen-Reihe auf TikTok zu jüdischem Leben „Chanukka“
Juliane Rummel, Alexander Arnö (Host), Lenja Hülsmann (BR)

Der Grundgedanke der siebenteiligen Video-Reihe war es, einen spielerisch-unverfänglichen Zugang zum Thema Judentum in Deutschland zu finden. Die Plattform TikTok bot dabei die Möglichkeit, die Inhalte kreativ, „snackable“ und teilweise humorvoll für eine junge Zielgruppe umzusetzen. Als Anlass haben die Autorinnen und Autoren sich das jüdische Lichterfest Chanukka ausgesucht. Die sieben TikTok-Videos wurden ab dem 28. November 2021 täglich auf dem TikTok-Kanal von BR24 ausgespielt – und haben pro Video zahlreiche Likes bekommen.

Flyer

Die Sulzbacher Thorarolle von 1793

Für das Foto und die Erläuterungen dazu danken wir der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg

Ein historisches Datum – Jubiläum und Festjahr Im Jahre 321 n.Chr. erließ Konstantin der Große, Kaiser des Römischen Reiches, auf die Anfrage des Rates der Stadt Köln ein Edikt, in dem er bestimmte, dass auch jüdische Bürger in den Rat aufgenommen werden könnten. Dieses Edikt ist die älteste schriftliche Quelle, die belegt, dass es seit mindestens 1700 Jahren jüdisches Leben im Gebiet des heutigen Deutschland gibt. Das kommende Jahr 2021 wird deshalb ein Veranstaltungsjahr werden, in dem auf sehr vielfältige Art und Weise daran erinnert werden wird, dass Juden und Jüdinnen die Gesellschaft und Geschichte Deutschlands in Kultur, Technik, Wissenschaft, Sport und vielen anderen Bereichen wesentlich beeinflussten und prägten. Ausstellungen, Konzerte, Wettbewerbe, Vorträge und zahlreiche andere Projekte werden diese jüdische Geschichte sichtbar und erfahrbar machen, in ganz Deutschland und in großer Vielfalt auch in Bayern.

Jüdisches Leben in Bayern In Bayern dürften Juden seit der Spätantike gelebt haben. Ein erster urkundlicher Nachweis findet sich für Regensburg im Jahr 981, für München mit Abraham dem Municher im Jahr 1229. Aufgrund historischer Gegebenheiten war jüdisches Leben in Bayern unterschiedlich präsent: Vor allem in Franken und Schwaben, in geringerem Maße auch in der Oberpfalz spielte das Landjudentum über Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Erst 1861 wurde das Matrikeledikt abgeschafft, das für jeden Ort eine Höchstzahl jüdischer Familien festlegte. Mit der Freizügigkeit zogen viele Jüdinnen und Juden in die Städte, wo sie sich bessere Berufs- und Lebensperspektiven erhofften. Mit dem nationalsozialistischen Völkermord an der jüdischen Bevölkerung Europas endete zunächst jüdisches Leben in Bayern und Deutschland.

Jüdisches Leben in Bayern heute Nach dem Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und der Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager sammelten sich die Jüdinnen und Juden, die den Völkermord überlebt hatten, in Lagern für Displaced People. Viele dieser DP-Lager befanden sich in der amerikanischen Besatzungszone, in Bayern. Dass es heute in Bayern wieder in 13 Israelitischen Kultusgemeinden und in zwei liberalen Gemeinden jüdisches Leben gibt, war nicht zu erwarten – es ist ein Geschenk, das Bayern bereichert.

Sichtbare Spuren Die Spuren einstigen jüdischen Lebens in Bayern sind unterschiedlich dicht. Während sich in Franken, Schwaben und der Oberpfalz an vielen Orten ehemalige Synagogen, Friedhöfe und andere bauliche Relikte finden, sind diese in Ober- und Niederbayern auf wenige Städte beschränkt. Die historische Struktur der jüdischen Gemeinschaft in Bayern, insbesondere die große Zahl relativ kleiner Gemeinden in ländlichen Regionen, spiegelt sich auch im heutigen Umgang mit den Spuren und Relikten. An vielen Orten kümmern sich – teilweise schon seit Jahrzehnten – Vereine, Initiativen und Privatpersonen um die Überreste jüdischen Lebens. Eine koordinierende Funktion haben hierbei die Bezirksheimatpfleger, die Jüdischen Museen in München, Augsburg, Fürth, Würzburg und Veitshöchheim sowie einige Universitätsinstitute übernommen: So haben sich im 2004 gegründeten „Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben“ 18 Kommunen, Initiativen und Vereine zusammengeschlossen. Ähnliche Strukturen gibt es in Franken („Netzwerk Jüdisches Franken“) und neuerdings in der Oberpfalz. Insbesondere die größeren israelitischen Kultusgemeinden haben auch eigene Kulturprogramme, die jüdisches Leben in allen Facetten zum Thema machen.

Jubiläumsjahr 2021 – Agenda für Bayern In Bayern wird Ministerpräsident Dr. Markus Söder die Schirmherrschaft für das Jubiläumsjahr 2021 übernehmen. Drei zentrale, vom Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus initiierte und nachdrücklich vertretene Leuchtturm-Projekte sind dabei – die Digitalisierung von Archivalien jüdischer Gemeinden – die Inventarisierung und Instandsetzung von jüdischen Friedhöfen – die digitale Vermittlung des jüdischen Lebens in Bayern.

Über die große Zahl und die Vielfalt von Veranstaltungen können Sie sich im Veranstaltungskalender auf dieser Webseite informieren: Anstehende Veranstaltungen – Antisemitismus Beauftragter Bayern

Mit Fragen und Anregungen können Sie sich an die Projektstelle beim Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus wenden: 1700JahreJuedischesLeben@stmuk.bayern.de

Der Bayerische Rundfunk begleitet das Jubiläumsjahr 2021 in Hörfunk, Fernsehen und online unter dem Themenschwerpunkt „Schalom – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Weiterführende Informationen unter: www.br.de/juedisches-leben

Teilnehmen und Mitmachen Institutionen, Verbände, Vereine, Parteien, Kirchengemeinden, Unternehmen u.a. sind herzlich eingeladen, das Jubiläumsjahr mit Projekten und Veranstaltungen zu unterstützen und mitzugestalten. Der in Köln gegründete Verein „321 – 1.700 jüdisches Leben in Deutschland“  fördert bundesweit Projekte (https://www.1700jahre.de/).

Erlaeuterung Sulzbacher Thorarolle